Donnerstag, 23. Oktober 2014

22. Oktober 2014 - Vox - Das perfekte Dinner - Mittwoch in Köln bei Carmela

Aperitif: El Diablo
Vorspeise: Ceviche playero
Hauptspeise: Cecina del pueblo
Nachspeise: Crepas oaxaquenas

Los Dias de Muertos

Nach dem gestrigen Dinner wird das heutige an den mexikanischen Tag der Toten angelehnt, und siehe da: Es ist weit weniger gruselig als die Quatsch-Komödie. Seit 2003 sind diese drei Feiertage von der Unesco zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbe der Menschheit erklärt worden. Seit 2008 gehört das Fest zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

Zwar hat Carmela dieses große Erbe nicht wirklich perfekt in die Kölner Gegenwart transferiert, aber sie hat sich Mühe gegeben.

Carmela ist in Köln geboren, doch kurz nach ihrer Geburt ging die Familie in Papas Heimat Mexico zurück und blieb dort für neun Jahre. Mittlerweile lange zurück in Köln studiert sie Kunst auf Lehramt. Ob sie wirklich Lehrerin werden möchte, steht noch nicht fest - es schweben ihr ein paar andere Ideen in Richtung Kunst im hübschen Kopf herum.

Sie lebt in einer kleinen Wohngemeinschaft, und in der Küche hilft ihr Freundin Isabell, ein Chaos zu veranstalten. Ein paar gute Tipps hat sie auch parat.

Stefan ist angetreten, den errichteten Flurschaden zu beseitigen - und entschuldigt sich für sein Dinner-Desaster. Und kuriert den Kater vom schlechten Benehmen kleinlaut aus. Jetzt ist alles wieder gut - eine Kamera ist wie die Titanic: Während oben noch getanzt wird, bereitet der Teufel hinter den Kulissen alles für den Untergang vor.

Heute ist es kusch und freundlich und friedlich, und nur am überaus leckeren Koriander(meine eigene Meinung) scheiden sich die Geister. Die Mängel an den übrigen Dinner-Zutaten werden vielleicht nicht bemerkt oder wohlwollend übergangen: Nur mal herausgegriffen das arme Rumpsteak, das wie eine große Scheibe Carpaccio in der Pfanne um einen Funken Gnade bittet, die ihm nicht gewährt wird. Oder das Eis: Festgemauert im Behälter.

Um den Abend dem Motto angepasster zu machen, hätte sie für einen Verstorbenen mitdecken müssen. So wird es gemacht beim Fest der Toten. Ob auch für eine im Leben ungeliebte Tante Maria-Sophia mitgedeckt wird, bleibt ungestreift.

Carmela bekommt dreiunddreißig gutmütige Punkte. Zwar ist es das bisher beste Dinner, aber völlig überbewertet.

Buenos dias, Biene

Mittwoch, 22. Oktober 2014

21. Oktober 2014 - Vox - Das perfekte Dinner - Dienstag in Gummersbach bei Köln bei Stefan

Aperitif: Echter russischer Edel-Vodka mit geraspelten Orangen- und Zitronenspänen
Vorspeise: Frische bergische Salatplatte mit einem deftigen Schmand-Dressing
Hauptspeise: Spießplatte, dazu eine bergische Land-Kartoffel in der Folie gegart mit Sauerrahm und frischen Gartenkräutern sowie Paprika-Gemüse süß-sauer, bestäubt mit Chilipulver
Nachspeise: Karamellisierte Früchte aus dem bergischen Hausgarten nach Omas Rezept mit einem Schlag Sahne von zufriedenen bergischen Kühen


Aber bitte mit Sahne

und ein paar Tranquilizern zur Zuschauer-Entspannung, die diese Sendung nur schwer verdauen  werden. Ein paar liebe Grüße an Stefans Mama Annemie, die ihm patent die Küche provisorisch sauber macht und gleichzeitig versucht, dem Kamerateam schnellstens wieder zu entkommen. Und Stefan Flodder eine Tüte für seinen Kopf, damit ihn heute im Ort keiner sofort erkennt. Nicht zuletzt einen Mantel des Vergessens für alle Seher.

Stefan ist der Mann der Wurstfabrikation in einem Supermarkt und ein lauter bolleriger Typ, das er damit entschuldigt, ein Kölscher Jung zu sein. Ich möchte ihn nicht im Karneval erleben: Inmitten aller niederkarätigen Narren der größte Irre.

Er hat es aufgegeben, einen Liebsten zu suchen, sagt er resigniert an einer Stelle der überhaupt nicht mehr chronologischen Sendung. Wenn da der Fall mal nicht anders herum liegt - und mögliche Anwärter die Flügel gestreckt haben vor soviel Frohsinn, der über Kindergarten-Niveau nicht hinauskommt. Ist wohl sinnlos, an dieser Stelle einen Aufruf zu starten, Stefan einen Lebenspartner zu suchen, oder?

Ich versuche es trotzdem: Berufs-Kölner mit dem Hang, sich lautstark und öffentlich lächerlich zu machen, sucht agilen, schlanken und trinkfesten Mann mit der Fähigkeit zum Verdrängen und Vergessen und dem Talent, die Augen zu verschließen und Oropax in die Ohren zu stopfen. Der Lieblingsfilm sollte "Denn sie wissen nicht, was sie tun" sein.

In seiner Nachbarschaft scheint Stefan beliebt zu sein, und man feiert die Feste, wie sie fallen - gern auch mal spontan und zwischendurch. Seine Nachbarin Claudia, genannt Claudinchen, hilft ihm in seiner noch sauberen Küche.  Sie ist Lehrerin, doch gutes Benehmen konnte sie ihn noch nicht lehren. Wollte sie eventuell auch nicht: So versinkt Gummersbach wenigstens nicht in freudloser Bedeutungslosigkeit. Sorry, Gummersbach.

Dann kommt die permanent gezeigte Bier-Fontäne vom Fass. Eine Szene nach dem allerfeinsten Vox-Geschmack, man kann sie nicht oft genug wiederholen. Eigentlich kann man nur sagen: Shit happens. Reiß dich zusammen und zieh den Abend durch, Stefan!

Er kann sich aber nicht zusammen reißen. Und völlig unsensibel kleckst er großzügig mit Sahne um sich: Hat ihm noch nie einer erzählt, dass man viele Scherze mit Frauen machen kann - doch niemals über ihre Haare, geschweige denn darf man ihre Frisuren mit Sahne zerstören?

Warum alle noch lachen, Sven am lautesten, muss am Alkohol liegen oder an der Fähigkeit und dem Wunsch, sich dem Kölner Temperament anpassen zu wollen. Wobei es ziemlich fraglich ist, ob und wie viele Kölner so drauf sind wie Stefan. Ich kenne tatsächlich Kölner, die würden auch in Hamburg oder Dortmund überhaupt nicht auffallen.

Noch unterirdischer wäre es, würde er in den kommenden Tagen in anderen Wohnungen Ähnliches veranstalten. Aber irgendwo hat sicher auch der Geselligkeits-Kölner seine Grenzen.

Ein Narr muss danke schön für neunundzwanzig Punkte sagen. Wer bislang nicht lachen konnte (und wer konnte das schon?), kann sicher jetzt darüber lachen.

Guten Morgen an Tünnes, Gruß Biene

Dienstag, 21. Oktober 2014

20. Oktober 2014 - Vox - Das perfekte Dinner - Montag in Köln bei Julia

Aperitif: Ein Stückchen Dom in herrlich leichtem Perlwein-Bad
Vorspeise: Frische grüne Rucola-Kräuter-Suppe mit Kräuterbutter alla casa und italienischem Brot
Hauptspeise: Sommerliches Perlhuhn mit 40 Knoblauchzehen, kandierten Zitronen und Verveine in Muskatwein geschmort, dazu Spaghettini
Nachspeise: Rosmarin-Honig-Parfait mit süßem Moscato


Bis(s) zum Abendrot

Mit neunzig Knoblauchzehen bewaffnet und gewappnet gegen sämtliche Vampire in der nächsten Umgebung, lädt Julia zum Abendessen ein. Damit sich nicht doch noch ein Monster einschleichen kann, trägt sie als Schutzschild zusätzlich den Kölner Dom vor sich her und verschönert auch damit ihre Speisen keineswegs. Vermutlich hat sie in einer Stunde, als Schatzi Jörg nicht zu Hause war, dieses Rezept gelesen - und wollte es um ihre Person und berufliche Tätigkeit wie einen Schock ins Vorabendprogramm transferieren. Zwar soll es so schlimm gar nicht sein, soviel Knoblauch zu verarbeiten - aber das Abendessen ist auf jeden Fall ein frühabendlicher Reinfall.

Wie das in Kochsendungen üblich ist, öffnet sie zunächst ihren Kleiderschrank und erklärt ein paar Klamotten wie ihr Taufkleid, in dem schon mehrere Generationen ihrer Familie die heilige Weihe empfangen haben. Auch in königlichen Sippschaften werden Taufgewänder ewig weiter vererbt. Bis sie sich eines Tages in alle Bestandteile auflösen. Die weitere Besichtigung des Schlafzimmers ist der Dreh- und Angelpunkt der voxschen Begierde, und somit ist das Wichtigste bereits abgehakt. Bleibt nur noch ihr Arbeitszimmer mit dem Schild: Ich bin selbständig, ich arbeite in der Finanzbranche. Ich bin buchbar.

Und dann kommt Schatzi zurück! Er heißt Jörg und ist auch in der Finanzbranche, aber heute hat er frei und war einkaufen. Wenn beide öfter frei haben, könnten sie mal kochen lernen. Heute muss Romeo nur Knoblauch in Endlosschleife pellen.

Und dann darf er sich mit einem Kuss verabschieden und der Ersatzmann Stefan trudelt als erster ein: Mit einer Wurst, die zu einem Spanferkel geformt ist, als Gastgeschenk? Das ist Kitsch und Verhöhnen in einem. Es gruselt mich - und ich denke nicht zum letzten Mal an Halloween heute.

Julia ist eine Rundum-Küchenungeübte: Wenn sie schon nicht kochen kann, so hätte es der Aperitif rausreißen müssen-können-dürfen. Doch da gibt es nur einen Perlwein mit einem Stück Pfirsich.

Die  Suppe ist grün wie die Hoffnung, die sich leider nicht erfüllt. Der Hauptgang ist ein schlechter Witz: Gekochtes  Hühnchen in einer Plörre, darunter Spaghetti. Der Nachtisch will auch in keine Konkurrenz mit dem vorher Servierten treten - und ist recht bescheiden schlicht und unansehnlich.

Da bleibt einem als Kölner nur noch Beten im Dom oder auf zur Pommes Bude von Ballauf und Schenk zu gehen. Stefan versucht es mit lauten Schreien. Warum?

Und warum bekommt sie dreißig Punkte?

Biss zum Morgengrauen, Biene

Montag, 20. Oktober 2014

20. Oktober 2014 - Aus dem Bienen-Kästchen - Herbst-Impressionen


Herbst-Farben


Herbst-Fund

Bienchen im Herbst



19. Oktober 2014 - ARD - Polizeiruf 110 - Smoke on the Water

Smoke on the Water

Dass die Welt korrupt ist und die Zentrale in Bayern sitzt, wer hätte es nicht geahnt. Gern kopierte und nie erreichte Adlige (zu Guttenberg) als weitere Garnierung des Bösen, und ein paar Anwesen, die man auch nicht überall findet. Fehlen noch hingebungsvolle Sündenböcke für den Fall der Fälle - und fast fertig ist die Mixtur aus ungemütlicher Sonntagabend-Unterhaltung. Doch halt: Die militanten Gegner sind noch von großer Wichtigkeit, denn sie müssen das fulminante Finale ganz alleine gestalten.  Und dabei wird dem Zuschauer keine Fiesheit erspart.

Am Anfang wird eine Journalistin ermordet. Ein geständiger Täter ist schnell gefunden, doch der ist so unschuldig wie ein Saxofon-Spieler nur sein kann. Er ist ein ehemaliger Internats-Kollege des adligen Plagiats. Warum er eine Schuld in diesem Umfang auf sich nehmen will - wissen nur Autor und Regisseur, vielleicht noch nicht mal die.

Inzwischen bleibt dem Ermittler von Meuffels nicht viel erspart: Er kennt die ganze Mischpoke auch, er hat eine selbst ernannte Mit-Ermittlerin (die Freundin des Opfers) und jede Menge Narben am Körper, die er auch mal zeigen muss. Im Narben-Abtausch mit seiner Mit-Ermittlerin liegt so etwas wie die ruhige Minute des Films.

Nicht so ruhig ist es, als ihm dieser Fall eine weitere Narbe beschert: Im telegenen Ernst wird ihm ein Peilsender unter die Haut transplantiert. Doch der stets präsente Polizei-Sanitäter entfernt das böse Ding wieder.

Alles in allem ziemlich viel Quatsch, eng an der gedachten Wahrheit, aber weit entfernt vom Sonntagabend-Mord, der ja auch mal ganz profan rüber kommen darf und nicht als Problem-Kiste aufgemacht werden muss.

Der überflüssige blutrünstige und brutale Schluss lässt den Mörder am Ende sogar noch hoffnungsvoll in seine Zukunft sehen: In jedem Knast scheint er besser aufgehoben zu sein als in seinem eigenen Leben im adligen Anwesen.

Einzig Matthias Brandt und seine Mit-Ermittlerin waren es wert, den Krimi zu gucken. Einer möglichen neuerlichen Liebesaffäre des Kommissars wurden aber von vorneherein schon Grenzen gesetzt: Sie ist lesbisch, und das ist auch gut so. Der Krimi war ohnedies schon überladen.

Guten Morgen, Gruß Biene

Sonntag, 19. Oktober 2014

18. Oktober 2014 - Eins Festival - Zimmer frei

Zimmer frei

Klausi, der Hase, zieht endlich bei Mutter Beimer aus und sucht beim WDR ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft.

In Wirklichkeit ist Moritz A. Sachs (A = Alexander) bei "Zimmer frei" zu Gast und soll sich so positiv wie möglich präsentieren, was ihm nicht schwer fällt. Dass es da draußen im Publikum jedoch auch nur einen Zuschauer gibt, der eine Fernsehserie für Realität hält, zweifle ich stark an.

Moritz ist ein Mitwirkender der ersten Stunde, und diese Stunde ist immerhin fast dreißig Jahre her. Kein Wunder also, wenn der Lindenstraße hier  und da mal die Puste ausgeht und die Autoren auf ziemlich spektakuläre Tricks ausweichen: Wie die Vergewaltigung von Klaus durch eine Frau. Ist die Geschichte eigentlich zu Ende erzählt?

Moritz sagt von sich, er sei ein Besserwisser. Und damit er mal eine Auszeit vom Klugscheißen nehmen kann, macht er sich öfter ganz allein auf eine längere Reise. Dort trifft er oft wochenlang keinen Menschen, mit dem er sprechen kann. Im Gegensatz zu manch anderem, der sich auf meditative Reisen macht, kommt Moritz als derselbe zurück als der er abgefahren ist - und muss keine Selbsterkenntnis-Bücher schreiben. Er ist einfach weg - gern mit dem Fahrrad - und kommt zurück. Fertig.

Ein Kamerateam besucht seine Eltern, und siehe da, es sind wirklich nicht Helga und Hans Beimer. Sie heißen Dagmar und Michael. Seine Freundin, mit der er seit elf Jahren zusammen ist, bleibt außen vor.  Doch zum Ende der Sendung kommt eine ganze Meute von Darstellern aus der Lindenstraße zusammen. Denn es geht ja um die 1.500. ausgestrahlte Sendung der beliebtesten Strasse der Republik - und da haben viele ihren Anteil dran.

Selbstverständlich bekommt Moritz auch den Zuschlag vom Publikum für das Zimmer, das frei ist.

Obwohl er noch bis mindestens ins 31. Jahr eine Bleibe in der Lindenstraße hat. Und sicher noch einiges erleben darf und muss.

Einen schönen Sonntag wünscht Biene

Foto: Petra Silie


Samstag, 18. Oktober 2014

18. Oktober 2014 - Die Wochen-Schau

Du dickes Ei!

Diese Woche liefern Konzerne wie Facebook oder Apple den Beweis, dass die Welt bekloppt geworden ist: Sie bezahlen ihren Karriere-Frauen das Einfrieren ihrer Eizellen.

Ei, Ei, Ei Ver-packt sie - schließt sie weg! Und irgendwann, vielleicht im fünfzigsten Lebensjahr der Frauen, werden sie eingepflanzt und der fröhlichen Mutterschaft steht nichts mehr im Weg. Außer die Nerven vielleicht, sich auf ein Baby einlassen zu wollen.

Da gäbe es noch jede Menge dran zu kritteln, ich lasse es besser. Ist ja jeder selber für seine Eier im Kopp verantwortlich.

Während dessen planen George Clooney und seine frisch angetraute Mrs. Clooney  vermutlich gerade einen Weg ins Weiße Haus. Da saß ja schon mal ein wesentlich schlechterer und lange nicht so gut aussehender Schauspieler. Freundin Angelina Jolie könnte dann die Außenministerin geben. Die Welt vor diesem und jenem zu retten - es ist ja genau ihr Ding. Nur bitte nicht wieder voreilig Friedens-Nobel-Preise vergeben!

Der Vogel des Jahres 2015 ist der Habicht. Der hat mit all dem nichts am Flügel. Ihn stören nur die illegalen Abschüsse seiner Habicht-Kollegen. Man kann ihm nur  wünschen, dass die einzige Kommission, die dies verfolgt (sitzt in Nordrhein-Westfalen) erfolgreich arbeitet und in anderen Bundesländern Kollegen bekommt. Ansonsten: Immer tausend Meter Luft unter dem Flügel und gut aufpassen, Habicht!

Wieder andere Sorgen planen heute die Bahnfahrer: Es fahren kaum Züge. Die Lokführer streiken. Und das trifft besonders Fußballfans, die schon singen: "Wo bleibt der Sonderzug zum Fußball?" Müsst ihr eben alle laufen. Dabei kann man auch seine Aggressionen los werden, ganz ohne Randale in den Stadien.

Es wird sicher niemanden interessieren, dass Christine Neubauer bei Vox gelandet ist und für Shopping-Queen dreht. Als nächstes geht sie vermutlich in den Dschungel. Alles sichere Anzeichen dafür, dass man nicht mehr zu A-Liga gehört.

Schönes Wochenende, Gruß Biene