"Schau mal hier - probier‘ mein kulinarisches Poesiealbum"
Vorspeise: Opas Gemüsegarten - Karotte / Tomate / Erbse & Meer
Hauptgang: Zwischen Heimat & Fernweh - Knolle / Kokos / Rote Bete / Couscous / Mango & Vitamine
Nachtisch: Dringlichkeit des Lebens - Kaiserschmarrn Deluxe / Schoko-Eskalation / Pfirsich / Maracuja & Schwips
Vorspeise: Opas Gemüsegarten - Karotte / Tomate / Erbse & Meer
Hauptgang: Zwischen Heimat & Fernweh - Knolle / Kokos / Rote Bete / Couscous / Mango & Vitamine
Nachtisch: Dringlichkeit des Lebens - Kaiserschmarrn Deluxe / Schoko-Eskalation / Pfirsich / Maracuja & Schwips
"Facebook: Die moderne Form des Poesiealbums, aber ohne Poesie."
© Elmar Schenkel (*1953)
© Elmar Schenkel (*1953)
Und dabei kennt die "Generation Facebook" vermutlich und überwiegend noch Poesie-Alben - was sich auch in ichweißnichtwieoft geteilten Sinnsprüchen gern zeigt, die einfach nur banal und meist ausgesprochen kitschig sind. Hin und wieder scheint aber ein bisschen Poesie in Posts auf, die den Blick ins Innere sucht - dazwischen blitzen dann
derbe Männer-Fantasien in oft drastischen Wörtern auf, die die Ansicht aus dem Schlafzimmer oder aus der Toiletten-Schüssel unter die Leute bringt. Natürlich
ist oft die KI die allmächtige Co-Autorin, die sich so sehr ins Zeug legt, dass sich solche Beiträge in Zukunft häufen könnten. Ich
schreibe noch selber, völlig allein und nur mit dem mir selbst zur Verfügung stehenden Wortschatz, weil ich eigen bin und niemanden dazwischenfunken lasse.
Ob es überhaupt noch Poesie-Alben gibt, die man in die Hände nehmen, von Hand zu Hand weiterreicht, um wieder eine gefüllte Seite zurückzubekommen,
weiß ich gar nicht. Oben liegt meines: alt, abgegriffen, in die Jahre gekommen, aber hin und wieder gelesen.
Für die 41jährige Psychotherapeutin Jenni spielt die Poesie heute eine große Rolle: besonders im Nachtisch blitzen Gedanken auf, die nach ihrer Interpretation von der Vergänglichkeit des Lebens sprechen - und die sie in die TV-Gemeinde transportieren möchte. Gutgelaunt
macht sie sich an ihr Küchenwerk - und vielleicht ist es ein bisschen ihrer beruflichen Tätigkeit ähnlich, der sie in ihrem Zuhause nachgeht und über die sie meint:
"Es ist ein Vorteil, zu Hause zu arbeiten ... ich kann nebenbei noch Wäsche waschen ..."
Hoffentlich bekommt ein Klient solche banalen Nebentätigkeiten neben seinen tiefsitzenden Problemen nicht mit. Hier und heute ist es nicht weiter schlimm, dass sie sich mehr auf die poetische Seite des Lebens schlägt,
denn Kochen gehört sicherlich nicht zu ihren größten Begabungen.
Das Menü
Jenni ist Vegetarierin, aber für ihre Gäste gibt es nicht nur Gemüsetürmchen, sondern auch Garnelen. Sie möchte ihnen damit Wertschätzung geben.
Den Hauptgang erweitert sie neben Sellerieschnitzeln um Hähnchenschnitzel. Im obigen Rezept hat dieser Gang die Zwischen-Überschrift "Zwischen Heimat und Fernweh". Auch, wenn Couscous und Mangos wohl keine heimischen Produkte sind, ist der Titel weit hergeholt ... aber
vor allem brät sie sowohl die pflanzlichen als auch die tierischen Schnitzel in viel zu wenig Fett in einer viel zu kleinen Pfanne, in der alles eng an eng hockt, so dass am Ende ein traurig aussehendes Ergebnis herauskommt.
Den Kaiserschmarrn bereitet sie im Backofen zu und brät ihn kurz in der Pfanne nach: ich kenne diese Zubereitungsart nicht, was jedoch keine Kritik ist, sondern eine Feststellung. Schoko-Brownies gehen immer, nur die Dringlichkeit des
Lebens versteckt sich keinesfalls hinter diesem Nachtisch.
Die Endlichkeit des Seins kennt Schneewittchen, die beinahe an dem vergifteten Apfel ihrer Stiefmutter gestorben wäre - und gewollt niemals den Prinzen kennengelernt hätte.
Aber sie ist nicht die einzige, die seltsame Menü-Beschreibungen zusammendichtet. Die gibt es sogar recht häufig. Manchmal springt direkt vom Tellerrand ein Clown ... oder ein Weiser ... oder ... die Erkenntnis, dass ich niemals in einem Restaurant essen würde, das solche Beschreibungen in ihren Karten hegt und pflegt.
Fazit
Jenni begeistert ihre Gäste, aber sicher nicht durch herausragende Kochkünste, sondern durch ihr ihnen freundlich zugewandtes Wesen. Oder ich irre mich, und alles schmeckt gleich viel besser als es für mich aussieht, wenn Jenni es zubereitet - obwohl ich im Großen und Ganzen auf das zähle, was ich sehe und nicht auf das, was ich gern hätte.
Bianca "singt" ein Loblied auf Jenni, dem sie
10 Punkte folgen lässt, während Jürgen 9 und Florian sowie Nick 8 hinzufügen.
Mit 35 Umdrehungen ist sie gleichauf mit Nick, während Jürgen beide mit einem Punkt übertrifft. So ist für jeden der ersten drei Kandidaten
ein Weihnachtswunder passiert - obwohl diese Sendungen im Sommer gedreht worden sind.
Es ist wie es ist - und Ungerechtigkeit kennt ihre Ausläufer sowohl nach oben als auch nach unten.
Guten Morgen, Gruß Silvia

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen