Vorspeise: Miso-Sauermehl-Suppe mit Kartoffelpüree und gebackenen Austernpilzen in Sojamarinade
Hauptgang: Wagyu mit Honig-Kreuzkümmel-Karotten und Balsamico-Kräuter-Jus
Nachtisch: Zucchinibrot mit säuerlichem Sahnetopping
Bitte anschnallen: jetzt tritt der Ernstfall ein!
Der 31jährige Flugbegleiter Albert möchte seinen Part dieser Sendung showgerecht gestalten, aber es tritt der
furchtbare Ernstfall ein,
dass er kochen soll. Und sowohl das Kochen als auch die angedachte Show sehen am Ende aus, als würde man eine
Webcam über einer weißen Badewanne in der Hoffnung laufen lassen, dass es genug Zuschauer für eine große Inhaltsleere gibt.
Albert lebt in einem schicken Hochhaus im Düsseldorfer Medienhafen - aber auch ein schickes Hochhaus bleibt ein Hochhaus, und das muss man mögen - oder den ganzen Tag aus dem Fenster die schöne Aussicht genießen, bis sie irgendwann so normal ist wie der Blick in irgendeine Badewanne.
Albert ist als Sohn polnischer Eltern in London geboren und aufgewachsen, obwohl sein Akzent rein polnisch und kein bisschen englisch klingt. Wie kann das angehen? Hat er in London nur unter Polen gelebt?
Das Abendessen
Besonders punkten möchte er mit teurem Fleisch und "nicht ganz billigen" Weinen.
Doch am Herd ist er auf sich alleingestellt, als würde er eine Wüste ohne Trinkwasser durchwandern.
Eigentlich klappt gar nichts, und er selber merkt das durchaus. Und selbst wenn das eine oder andere doch funktioniert, so passt es nicht: nicht für ein perfektes Dinner, nicht zueinander, nicht für ein bisschen Freude.
Kochen ... ist nicht seins. Da ist es auch nicht weiter schlimm, dass das volle Gewürzregal, das er stolz präsentiert, so hoch im Schrank hängt, dass er für die oberen Fächer eine Leiter braucht. Aber
vielleicht stehen in dem Regal auch keine Gewürze, weil es nur mit einer Fototapete ausgestattet ist.
Die Vorspeisensuppe rührt er ausschließlich mit gekauften Zutaten an: Brühe, Sauerteig, Misopaste. Schließlich serviert er sie mit einem dicken Klecks Kartoffelpüree - wie kommt man auf solch eine absurde Idee? Wem schmeckt so etwas? Wer möchte das Rezept haben? Wer würde lieber hungrig nach Hause gehen?
Das gute Fleisch vom Wagyu-Rind - vor den Bildschirmen fließen ein paar bittere Tränen, die mit dem Wunsch verbunden sind, er
solle bitte endlich seine Koch-Versuche beenden.
Der Nachtisch gehört zur Kategorie "ein Abend kann so seltsam sein". Wer mag als Abschluss eines "Dinners"
Zucchinibrot mit sauren Sahnetupfern? Oder sind etwa die vielen Blüten auf den Tellern der eigentliche Nachtisch?
Fazit
Albert selber würde sich ein "starke 6 Punkte" für sein Abendessen geben. Ich würde das "starke" streichen - und dann auch noch ein paar Zähler abziehen. Doch etwa 3 dürfen bleiben, allein dafür,
dass er nicht in der letzten Minute gekniffen hat - und pünktlich zu Showbeginn anwesend war.
Obwohl ... es gibt ja immer Ersatzkandidaten ...
Und vier weitere Kandidaten mit Düsseldorfer Geschmacksknospen, die offenbar zufriedengestellt sind. Na dann!
Die Punkte muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: je 8 geben Jutta, Mark, Kaya und Daniel.
Das ergibt die Summe von 32 überkandidelten Zählern. Vielleicht dachten die Gäste, man müsse den 8. Stock, in dem er wohnt ... mit jeweils 8 Punkten abgelten.
Guten Morgen, Gruß Silvia

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